Female Founders: Warum gibt es so wenig Gründerinnen?

Female Founders: Warum gibt es so wenig Gründerinnen?

Es sind erschreckende Zahlen: nur 38% aller Existenzgründungen in Deutschland wurden 2020 von Frauen getätigt, bei Start-ups sind es lediglich 16%. Diese Werte sind in den letzten Jahren kaum gestiegen. Warum gibt es so wenig weibliche Gründerinnen? Dem gehen wir in diesem Artikel auf den Grund, zusammen mit der Erfahrung der Gründerin von OH MY! FANTASY, Annika Breu.

Warum gibt es mehr Existenzgründungen als Start-ups von Frauen?

Sowohl eine Existenzgründung als auch eine Start-up-Gründung führen zu einer beruflichen Selbstständigkeit. Während Existenzgründungen jedoch wenig Wachstum des Unternehmens vorsehen, haben Start-ups mehr Innovationspotenzial und größere Wachstumspläne, sowohl in Bezug auf die Umsätze als auch auf das Personal. Hier macht sich bereits ein wichtiger Unterschied bemerkbar: Männer scheinen größere Pläne für ihre neuen Unternehmen zu haben als Frauen.

Annika: Wahrscheinlich liegt es daran, dass Frauen sich selbst und ihre Projekte häufig unterschätzen. Außerdem tendieren sie dazu weniger Risiko einzugehen. Es braucht schon einiges an Mumm, um ein Unternehmen zu gründen, damit gehen schließlich auch viele Unsicherheiten einher.

Was hält Frauen von der Selbstständigkeit ab?

Zunächst ist da die berühmt-berüchtigte Frage nach Familienplanung und Kinderbetreuung. Noch immer sind es Frauen, die familiär mehr eingebunden sind und zu großen Teilen die Kinderbetreuung übernehmen. Dazu kommt, dass sich das Durchschnittsalter für die Unternehmensgründung mit dem des Kinderwunsches oft überschneidet. So kommt es schnell zu einer Doppelbelastung, die Frauen von einer Unternehmensgründung abhalten kann.

Außerdem werden Frauen deutlich seltener von Investor*innen gefördert, was u.a. daran liegt, dass es viel mehr Investoren als Investorinnen gibt. Das macht sich in der Förderung bemerkbar, denn es werden eher Geschäftsideen gefördert, bei denen Investor*innen Teil der Zielgruppe sind. So gehen viele Konzepte von Frauen unter. Zusätzlich fehlen Female Founders oft die notwendigen Netzwerke zur finanziellen Förderung. Es mangelt ihnen oft an nützlichen Kontakten zur Finanzierung ihrer Pläne. Männer sind in diesem Bereich deutlich besser aufgestellt und in ihre Pläne wird dementsprechend häufiger investiert. 

Annika: Vor allem die Finanzierung von einem neuen Unternehmen kann einem viel abverlangen. Es gibt zu wenige Frauen im Bereich der Investitionen, das merkt man auch daran welche Pläne gefördert werden und welche halt nicht. Es wird immer dazu geneigt, in die Menschen zu investieren, die einem ähnlich sind. Dazu kommt, dass Frauen oft weniger Geld fordern als Männer, hier kommt wohl wieder der fehlende Mut zum Vorschein. Außerdem leisten Frauen einfach noch immer einen Großteil der Kinderbetreuung und auch der Haushaltsarbeit. Oft fehlt ihnen damit einfach die Zeit, sich auch noch um ein Unternehmen zu kümmern.

Müssen sich Gründerinnen ändern, um erfolgreich zu sein? 

Es tauchen noch viele weitere mögliche Gründe auf, die den Unterschied zwischen Neugründungen von Frauen und Männern erklären könnten: Frauen zeigen weniger Risikobereitschaft als Männer, haben einen stärker ausgeprägten Perfektionismus und fordern auch weniger Finanzierung. Auch wenn sich Female Founders heute bis zu einem bestimmten Grad an ihre männlichen Konkurrenten anpassen müssen um Erfolge zu erzielen, bedeutet die erfolgreiche Unternehmensgründung von Frauen vor allem eins: neue, dringend benötigte Vorbilder für alle, die ihnen noch folgen wollen.

Annika: An sich sollten Frauen auf ihre Weise Erfolg haben können und ihr Unternehmen auf ihre Arten gründen können. Aber bis das bei der breiten Bevölkerung ankommt, wird es noch einiges brauchen. Schließlich fängt es schon in der Erziehung an: Jungs sollen mutig und stark sein, Mädchen sollen sich um andere kümmern und auf deren Gefühle eingehen. Diese Erfahrungen prägen unsere Gesellschaft nachhaltig. Ich denke, bis sich die Gesellschaft ändert, schadet es nicht auch Mädchen und Frauen in gewissen Punkten zu fördern, so dass es mehr Female Founders geben wird. Dann gibt es auch mehr Vorbilder für neue Generationen.

Es gibt aber auch ein paar gute Nachrichten für Gründerinnen!

In einigen Branchen gibt es allerdings schon mehr Neugründungen von Frauen als von Männern, z.B. im Health- und im Lifestyle-Bereich. Auffällig daran ist, dass es die selben Berufsfelder sind, in denen generell mehr Frauen arbeiten. Ein weiterer Punkt bei dem Female Founders die Nase vorne haben, ist das Verfolgen von höheren Zielen. Frauen messen ihren Erfolg seltener an ökonomischen Gewinnen, bei ihnen haben oft Nachhaltigkeit oder das Lösen sozialer Probleme Priorität.

Annika: Es ist schon auffällig, dass es viele Female Founders in den Bereichen gibt, in den Frauen sowie mehr vertreten sind. Wo jedoch noch Aufholbedarf besteht ist die IT. Hier gibt es zwar die meisten Start-ups, aber fast keine von Frauen. Weil es so ein zukunftsträchtiger Bereich ist, müssen Frauen hier wirklich gefördert werden; am besten schon in der Schule.

Was muss sich verändern damit mehr Frauen Unternehmen gründen?

Es gibt viele Stellen an denen man ansetzen kann, denn die Gründe für die geringe Anzahl an Female Founders sind vielseitig. Ein Punkt der stärker gefördert werden müsste sind Kita- und Krippenplätze, denn so wird Müttern viel Arbeit abgenommen. Die Berufsfelder, in denen heute wenige Frauen gründen, sollten bereits in der schulischen Ausbildung gezielt gefördert werden. Das Gleiche gilt auch für alle Berufe, die für Gründungen relevant sind, vor allem im Investmentbereich. Letztlich scheint aber auch ein gesamtgesellschaftliches Umdenken notwendig, damit Frauen ihre Unternehmensträume leichter verwirklichen können.

Annika: Vor allem braucht es mehr weibliche Gründerinnen, die als Vorbild dienen. Die Schar an Männer, der Gründerinnen immer wieder gegenüberstehen, kann einen wirklich einschüchtern. Ich kann nur alle Frauen ermutigen, ihre Projekte in die Tat umzusetzen!
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